Texte mit KI, die nicht nach KI klingen

Schreibtisch mit Notizbuch, Kaffee und Laptop

Man erkennt KI-Texte nach zwei Sätzen. Nicht an Fehlern, sondern an der Glätte: viele Wörter, keine Aussage. Das lässt sich vermeiden – aber nicht dadurch, dass man die KI höflicher bittet.

Warum diese Texte auffallen

Sprachmodelle erzeugen den wahrscheinlichsten nächsten Satz. Das Ergebnis ist Durchschnitt – sprachlich korrekt, inhaltlich unverbindlich. Typisch sind Einleitungen über die schnelllebige Zeit, Dreierlisten ohne Substanz, Superlative ohne Zahl und der berühmte Abschlusssatz, der nichts zusammenfasst.

Das Problem ist nicht Stil, sondern Information. Wer nichts Eigenes beisteuert, bekommt einen Text, den es schon zehntausendmal gibt. Und Inhalte, die es schon gibt, werden weder verlinkt noch in KI-Antworten zitiert.

Die Merkmale sind erstaunlich konstant. Sätze, die niemandem widersprechen. Aufzählungen ohne Rangfolge. Wörter wie «ganzheitlich», «nahtlos», «passgenau». Ein Text, der drei Absätze braucht, um zu sagen, dass ein Thema wichtig ist. Und vor allem: kein Beispiel, das nur aus diesem Betrieb kommen kann. Wer solche Texte liest, merkt nicht unbedingt, dass eine Maschine beteiligt war – er merkt, dass niemand persönlich dahintersteht.

Das eigentliche Problem ist nicht die Herkunft, sondern der fehlende Inhalt. Ein Modell kennt deinen Betrieb nicht. Es kennt die durchschnittliche Formulierung zu deinem Thema. Wenn du nichts Eigenes hineingibst, bekommst du diesen Durchschnitt zurück – sprachlich sauber, sachlich beliebig. Genau deshalb liegt die Arbeit vor dem Schreiben und nicht danach.

Der Ablauf, der funktioniert

Der Ablauf unten hat einen einfachen Grundsatz: Die Maschine formuliert, du lieferst Substanz und entscheidest. Wer die Reihenfolge umdreht und zuerst einen Text erzeugen lässt, um ihn danach «persönlicher» zu machen, arbeitet doppelt und behält trotzdem die glatte Grundstruktur. Für einen Beitrag von rund tausend Wörtern brauchst du so etwa zwei bis drei Stunden – der grössere Teil davon ohne Werkzeug.

1. Material sammeln, bevor geschrieben wird

Kundenfragen, echte Zahlen aus dem Betrieb, Einwände aus Verkaufsgesprächen, ein Fall, der schiefgelaufen ist. Zehn Minuten Sprachaufnahme von jemandem, der die Sache wirklich macht, sind mehr wert als jede Recherche.

Material heisst: Dinge, die nur du weisst. Die drei Fragen, die in jedem Erstgespräch kommen. Der Einwand, an dem Aufträge scheitern. Der Fall, in dem ein Projekt teurer wurde als geplant, und warum. Eine Zahl aus dem eigenen Betrieb, die du belegen kannst. Sammle das über zwei Wochen in einer einzigen Notiz, dann hast du Rohstoff für mehrere Beiträge.

Eine Sprachaufnahme ist dafür das beste Werkzeug, weil gesprochene Sprache konkreter ist als geschriebene. Wer erzählt, nennt Beispiele; wer tippt, formuliert Allgemeinheiten. Die Aufnahme wird anschliessend verschriftlicht – und dieser Text, nicht das leere Blatt, ist die Grundlage.

2. Struktur selbst festlegen

Welche Frage beantwortet der Text, für wen, und was soll die Leserin danach tun? Daraus ergeben sich vier bis sechs Zwischentitel. Diese Struktur gibst du vor – nicht das Modell.

Die Struktur entscheidet, ob ein Text hilft oder nur vorhanden ist. Vier bis sechs Zwischentitel, jeder davon eine Frage oder eine Aussage – keine Etiketten wie «Grundlagen» oder «Fazit». Wenn jemand nur die Zwischentitel liest, sollte er die Antwort in Kurzform schon haben.

Diese Struktur legst du fest, bevor ein Modell beteiligt ist. Sonst übernimmst du unbemerkt das Schema, das in Millionen ähnlicher Texte steckt: Einleitung, fünf gleichwertige Punkte, Zusammenfassung. Das ist der Aufbau, an dem Leserinnen sofort erkennen, dass hier niemand eine Meinung hatte.

3. Rohtext erzeugen, aber mit deinem Material

Jetzt darf die KI schreiben, gefüttert mit Notizen, Zahlen und Beispielen. Ohne diese Eingabe erfindet sie Allgemeinplätze. Mit ihnen wird sie zum schnellen Schreibwerkzeug.

Erst jetzt kommt das Werkzeug zum Einsatz, und zwar abschnittsweise. Gib die Struktur, dein gesammeltes Material und eine klare Anweisung mit: kurze Sätze, keine Superlative, du-Form, Schweizer Schreibweise, keine Behauptungen ohne Grundlage. Abschnitt für Abschnitt, nicht der ganze Text auf einmal – so bleibt kontrollierbar, was hineinkommt.

Sinnvoll ist ausserdem eine ausdrückliche Anweisung, was fehlen darf. Wenn dem Modell für einen Abschnitt Angaben fehlen, soll es das schreiben statt es zu füllen. Diese Lücken sind wertvoll: Sie zeigen, wo du selbst noch nachliefern musst – und sie verhindern die erfundenen Zahlen, die später peinlich werden.

4. Eigene Stimme einsetzen

Der wichtigste Schritt. Streiche jeden Satz, der auch bei der Konkurrenz stehen könnte. Ersetze Adjektive durch Zahlen. Schreibe eine Aussage, bei der jemand widersprechen könnte – das ist das Gegenteil von Beliebigkeit.

Der Durchgang, in dem der Text zu deinem wird, dauert am längsten und wird am häufigsten weggelassen. Streiche jeden Satz, der in jedem anderen Betrieb auch stehen könnte. Ersetze zwei allgemeine Aussagen durch ein konkretes Beispiel. Nimm eine Stelle, an der du eine klare Haltung hast, und schreibe sie so hin, dass jemand widersprechen könnte.

Lies den Text danach laut. Alles, worüber du stolperst, ist zu lang oder zu abstrakt formuliert. Diese eine Minute pro Abschnitt findet mehr als jedes Prüfwerkzeug.

5. Fakten prüfen, immer

Zahlen, Namen, Gesetze, Fristen: Modelle erfinden das überzeugend. Was nicht belegbar ist, kommt raus oder wird als Einschätzung gekennzeichnet.

Alles, was wie eine Tatsache klingt, wird geprüft: Zahlen, Jahre, Gesetzesbezüge, Namen, Zitate, Produktangaben. Sprachmodelle formulieren Falsches genauso überzeugend wie Richtiges, und der Schaden entsteht nicht beim Schreiben, sondern wenn ein Kunde eine Angabe nachschlägt.

Praktische Regel: Was du nicht mit einer Quelle belegen kannst, kommt raus. Kein «Studien zeigen» ohne Studie, keine Prozentzahl ohne Herkunft, keine Referenz, die du nicht nennen darfst. Ein Text ohne Zahlen ist glaubwürdiger als einer mit erfundenen.

Streichliste

  • «In der heutigen schnelllebigen Geschäftswelt …»
  • «revolutionär», «ganzheitlich», «nachhaltig» ohne Erklärung
  • «nicht nur …, sondern auch …» als Dauermuster
  • Zwischentitel, die nur das nächste Kapitel ankündigen
  • Fazit-Absätze ohne neue Information
  • Jede Zahl ohne Quelle

Was KI beim Schreiben wirklich gut kann

Gliederungen aus unsortierten Notizen. Varianten für Titel und Vorschautexte. Übersetzungen als Basis für eine Korrektur. Umbau eines Fachtexts in eine Kurzfassung für Social Media. Prüfen, ob eine Frage im Text tatsächlich beantwortet wird. Das sind Aufgaben mit klarer Vorlage – dort ist der Zeitgewinn echt.

Wie wir Inhalte produzieren, steht auf der Seite KI-Content Creation.

Für bestimmte Aufgaben ist das Werkzeug klar besser als der Mensch am Feierabend. Umformulieren in eine andere Länge oder für ein anderes Publikum. Rohnotizen ordnen. Zwischentitel-Varianten liefern. Eine Zusammenfassung schreiben, wenn der Text steht. Titel- und Beschreibungsvorschläge für Suchmaschinen erzeugen. Und Gegenargumente sammeln, damit du merkst, welche Einwände du im Text noch nicht beantwortet hast.

Schlecht ist es überall dort, wo Verantwortung mitläuft: bei Preisen, Zusagen, rechtlichen Aussagen, medizinischen oder finanziellen Empfehlungen. Und es ist unbrauchbar für alles, was aus deinem Alltag kommt – Beispiele, Zahlen, Erfahrungen. Genau dieser Teil unterscheidet deinen Text von den anderen zwanzig zum gleichen Thema.

Warum das auch für die Sichtbarkeit zählt

Suchmaschinen und Assistenten bevorzugen Inhalte, die eine Frage vollständig beantworten und nachprüfbare Angaben enthalten. Ein austauschbarer Text erfüllt beides nicht. Deshalb ist gute Redaktion inzwischen ein SEO– und GEO-Thema, nicht nur eine Geschmacksfrage.

Suchmaschinen und Assistenten bewerten nicht, mit welchem Werkzeug ein Text entstand, sondern ob er eine Frage vollständig beantwortet und ob man ihm etwas zutraut. Beides hängt an denselben Merkmalen: klare Struktur, konkrete Angaben, nachvollziehbare Herkunft, eine erkennbare Absenderin. Ein Text ohne eigene Substanz erfüllt keines dieser Kriterien – unabhängig davon, wer ihn geschrieben hat.

Für Antwortsysteme kommt ein zweiter Punkt dazu: zitierfähige Stellen. Ein Absatz, der eine Frage in drei bis vier Sätzen abschliessend beantwortet, wird eher übernommen als eine ausschweifende Passage. Deshalb lohnt es sich, im Text bewusst kurze, in sich verständliche Antworten zu setzen – am einfachsten mit Zwischentiteln in Frageform und einer direkten Antwort darunter.

Häufige Fragen

Soll ich offenlegen, dass Texte mit KI entstanden sind?

Transparenz ist der einfachere Weg: benennen, dass KI unterstützt hat, und wer den Text geprüft hat.

Wie viele Beiträge pro Monat sind sinnvoll?

Einer, dafür konstant. Ein guter Beitrag pro Monat über ein Jahr schlägt vier Beiträge in einem Monat und danach Stille.

Bestraft Google Inhalte, die mit KI erstellt wurden?

Nicht grundsätzlich. Bewertet wird der Nutzen für die Leserin. Dünne, austauschbare Texte fallen auf – unabhängig davon, wer sie geschrieben hat.

Inhalte, die nach dir klingen

Wir richten den Ablauf ein und schreiben mit dir die ersten Beiträge – mit deinem Material und deinem Ton.

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