Relaunch oder optimieren? Entscheidungshilfe für KMU-Websites

Laptop auf einem Schreibtisch neben Telefon

«Unsere Website ist alt, wir brauchen eine neue.» In etwa der Hälfte der Fälle stimmt das nicht. Diese Entscheidungshilfe zeigt, wann Optimieren reicht und wann ein Neubau wirklich günstiger ist.

Die falsche erste Frage

Die Frage ist nicht «gefällt mir das Design noch», sondern «was soll die Seite leisten und wo bricht das heute ab». Eine Website hat meist drei Aufgaben: gefunden werden, in wenigen Sekunden verständlich machen, was du anbietest, und eine Kontaktaufnahme auslösen. Prüfe jede Aufgabe einzeln, bevor du über Farben redest.

In vielen Fällen ist das Design nicht das Problem, sondern die Struktur: alles auf einer Seite, keine eigenen Seiten pro Leistung, kein sichtbarer nächster Schritt. Das lässt sich ohne Neubau reparieren.

«Brauchen wir eine neue Website?» ist selten die Frage, die weiterhilft. Sinnvoller ist: An welcher Stelle verlieren wir heute Anfragen? Manchmal liegt die Antwort im Design, oft aber an einer fehlenden Leistungsseite, an einem Kontaktformular mit zwölf Feldern oder daran, dass auf dem Handy der wichtigste Satz unter drei Bildschirmhöhen liegt. Für solche Probleme ist ein Relaunch die teuerste aller möglichen Lösungen.

Hilfreich ist ein kurzer Blick in die Zahlen, bevor irgendetwas entschieden wird. Welche fünf Seiten werden am häufigsten besucht, wo springen Leute ab, welche Seite führt tatsächlich zu einer Anfrage. Wenn drei von vier Besuchen auf dem Handy kommen und die Anfragen fast nur vom Desktop, hast du bereits eine Diagnose – und die betrifft nicht das Erscheinungsbild, sondern die Bedienbarkeit.

Fünf Anzeichen, dass Optimieren genügt

  • Die Seite läuft auf einem aktuellen System und lässt sich bearbeiten, ohne dass jemand Code anfasst.
  • Auf dem Handy ist alles lesbar und klickbar, nur der Aufbau ist unübersichtlich.
  • Es gibt Inhalte – sie sind nur schlecht sortiert und ohne interne Verlinkung.
  • Die Ladezeit lässt sich mit komprimierten Bildern und weniger Skripten deutlich senken.
  • Die Marke passt, das Vertrauen ist da – es fehlt an Klarheit, nicht an Erscheinung.

In dieser Situation bringen drei Tage Arbeit an Struktur, Texten und Technik mehr als ein halbes Jahr Relaunch-Projekt. Was dabei konkret passiert, steht auf der Seite Website erstellen und optimieren.

Der gemeinsame Nenner dieser Anzeichen: Das Fundament trägt, es fehlt an Inhalt und Feinschliff. In diesem Fall arbeitet man mit dem, was da ist, und macht in wenigen Wochen sichtbare Fortschritte. Typischerweise heisst das: zwei bis vier fehlende Leistungsseiten schreiben, Titel und Beschreibungen überarbeiten, Ladezeit auf dem Handy verbessern, Formular kürzen, Navigation aufräumen.

Der Vorteil ist nicht nur der Preis. Optimieren lässt sich in kleinen Schritten machen, du siehst nach jedem Schritt eine Wirkung, und das Risiko bleibt klein. Ein Relaunch hingegen ist ein Alles-oder-nichts-Termin, bei dem am Tag der Umstellung alles gleichzeitig neu ist – Inhalte, Struktur, Adressen, Technik.

Fünf Anzeichen für einen Relaunch

  • Das System ist veraltet oder nicht mehr sicher aktualisierbar.
  • Auf dem Handy bricht das Layout, und Korrekturen wirken wie Flickwerk.
  • Jede Textänderung braucht eine externe Agentur.
  • Die Seite ist technisch langsam, weil die Basis langsam ist – nicht wegen der Bilder.
  • Das Geschäftsmodell hat sich verändert und die Seite beschreibt eine Firma, die es nicht mehr gibt.

Wenn drei dieser Punkte zutreffen, ist Optimieren Geldverbrennen. Dann lohnt sich ein Neubau – aber mit übernommenen Inhalten, nicht mit einem leeren Blatt.

Für einen Relaunch spricht es, wenn du an mehreren Stellen gegen das System arbeitest statt mit ihm. Wenn jede Änderung Entwicklerhilfe braucht, wenn das Theme oder wichtige Erweiterungen nicht mehr gepflegt werden, wenn die Seitenstruktur das Angebot von vor sechs Jahren abbildet, oder wenn dieselben drei Anpassungen bereits mehrmals bezahlt wurden – dann ist Weiterflicken die teurere Variante.

Ein zweiter guter Grund ist ein verändertes Geschäftsmodell. Wer heute drei klar getrennte Zielgruppen bedient, aber eine Website hat, die von einer erzählt, kann das mit Einzelseiten nur notdürftig überdecken. Und wenn Sicherheitsupdates nicht mehr möglich sind, ist der Entscheid ohnehin gefallen: Eine Website mit bekannten Lücken ist ein Risiko, kein Gestaltungsthema.

Vor jedem Relaunch sicherstellen

  1. Liste aller bestehenden URLs exportieren, inklusive Traffic und Rankings.
  2. Für jede alte URL eine Weiterleitung auf das neue Gegenstück festlegen.
  3. Inhalte, die funktionieren, übernehmen statt neu erfinden.
  4. Tracking und Formulare nach dem Livegang testen, nicht davor.
  5. Alte Seite als Kopie behalten, bis alles läuft.

Der vergessene Punkt zwei ist der Klassiker: Nach dem Relaunch bricht die Sichtbarkeit ein, weil alle alten Adressen ins Leere führen.

Wo das Geld tatsächlich hingeht

Nicht in das Design. Der Aufwand steckt in Inhalten, Struktur und Entscheidungen: Welche Leistungen bekommen eine eigene Seite, wie heissen sie, welche Fragen beantworten sie, welche Bilder gibt es wirklich? Wer diese Vorarbeit liefert, wird deutlich günstiger fertig – unabhängig davon, wer baut.

Der zweitgrösste Posten sind Nacharbeiten, die entstehen, weil während des Projekts niemand entscheiden konnte. Ein klarer Ansprechpartner mit Entscheidungsbefugnis spart mehr als jeder Rabatt.

Die meisten unterschätzen, wie sich die Kosten verteilen. Gestaltung und Technik sind planbar; teuer und zeitintensiv sind Inhalte. Texte schreiben, Bilder beschaffen, Angaben prüfen, Freigaben einholen – das ist der Teil, der Projekte um Monate verlängert, weil er beim Auftraggeber liegt und dort neben dem Tagesgeschäft passieren muss.

Der zweite unterschätzte Posten ist die Übernahme des Bestehenden: Adressen alter Seiten auf neue umleiten, Rankings sichern, Formulare und Auswertungen wieder korrekt anbinden, Rechtstexte aktualisieren. Wer das erst nach dem Start bemerkt, zahlt zweimal. Deshalb gehört diese Arbeit in die Planung und nicht in die Woche nach der Umstellung.

Und schliesslich der laufende Betrieb. Eine Website ist kein Projekt mit Enddatum, sondern etwas, das monatlich ein paar Stunden braucht: Updates, ein neuer Beitrag, eine Leistungsseite anpassen, Zahlen anschauen. Wer diesen Aufwand nicht einplant, hat in zwei Jahren wieder dieselbe Diskussion.

Die Reihenfolge, die wir empfehlen

Erst messen und entscheiden, dann Struktur festlegen, dann Inhalte schreiben, dann bauen, dann SEO und GEO nachziehen. Wer mit dem Bauen beginnt, produziert schöne Seiten ohne Aufgabe.

In der Praxis hat sich eine einfache Reihenfolge bewährt. Zuerst messen und die Probleme benennen. Dann alles umsetzen, was ohne neues System möglich ist – meist bringt das mehr, als man erwartet. Erst danach entscheiden, ob der Rest ein neues Fundament braucht. Wenn ja, hast du inzwischen Inhalte, Struktur und Zahlen beisammen und kannst den Relaunch deutlich schneller und günstiger abwickeln.

Diese Reihenfolge hat einen angenehmen Nebeneffekt: Falls du am Ende doch neu baust, wird nichts weggeworfen. Texte, Leistungsstruktur und Erkenntnisse aus den Zahlen wandern mit. Wer umgekehrt startet – zuerst neu bauen, dann Inhalte überlegen – bezahlt ein Design für Inhalte, die noch nicht existieren.

Häufige Fragen

Woran erkenne ich, dass ein Relaunch nötig ist?

Wenn drei der fünf Anzeichen zutreffen: veraltetes System, brechendes Mobil-Layout, jede Änderung braucht eine Agentur, langsame Basis, überholtes Geschäftsmodell.

Verliere ich beim Relaunch meine Google-Rankings?

Nur wenn die alten Adressen nicht weitergeleitet werden. Mit einer vollständigen Weiterleitungsliste bleibt die Sichtbarkeit erhalten.

Wie lange dauert ein Relaunch bei einem KMU?

Das entscheiden Inhalte und Entscheidungswege, nicht die Technik. Wer Texte, Bilder und Struktur bereit hat, ist deutlich schneller fertig.

Zweite Meinung, bevor du investierst

Wir schauen uns deine Seite an und sagen dir ehrlich, ob Optimieren reicht. Auch wenn das der kleinere Auftrag ist.

Weiter im Thema